Tuesday, June 30, 2009

Haus des Slumdog Kinderstars wird abgerissen

Ich chattete vor einiger Zeit mit meinem Papa und er erzählte mir, dass die BILD-Zeitung über den Abriss der Hütte des Slumdog Millionaire Stars Azharuddin Mohammed Ismail berichtete. Der Kleine hat den jüngsten der drei Jamals gespielt in dem Film. Die indische Regierung hätte das Heim der Familie abgerissen und nun stünde der Kleine auf der Straße ohne alles, da sein Vater das wenige Geld (umgerechnet 780 Euro), das er für den Film bekommen hat, schon ausgegeben hätte. Hmmm, was ist dran an der Geschichte?

Zuerst einmal zum Geld des Kleinen: ja, es stimmt, die Kinderstars haben für den Film nicht viel Geld bekommen. Das allerdings ist verständlich, denn in den meisten Fällen können die Eltern nicht mit Geld umgehen und nach kurzer Zeit ist alles weg. Aber ganz ohne steht Azharuddin nicht da. Das Schulgeld wird bezahlt, genauso wie das Geld für Uniform, Schulbücher und Essen. Außerdem wurde ein Fond eingerichtet und wenn der Kleine 18 Jahre alt wird, dann steht ihm eine beachtliche Summe zur Verfügung (die er hoffentlich nicht gleich verprasst). Es geht den Kleinen also nicht so schlecht, wie die BILD-Zeitung vermuten lässt. Es soll eben gesichert sein, dass das Geld wirklich den Kindern zu Gute kommt und eben nicht den Eltern, die das unsinnig und verschwenderisch innerhalb von kurzer Zeit ausgeben könnten.

Zum Anderen ist es nicht unbedingt verwunderlich, dass die Hütten abgerissen werden. Wie auch richtig in dem Artikel geschrieben wurde, sind die Blechhütten illegal gebaut worden. Der Abriss kommt in der Regel nicht von heut auf morgen, sondern die Bewohner werden einige Zeit vorher gebeten, die Hütten zu räumen. Laut einem Bericht der Times of India hatten die Familien folglich genug Zeit, um den Wohnraum zu räumen. Es kam keineswegs überraschend. Angeblich wurden den Bewohnern auch Sozialwohnungen angeboten. Hier in Chennai gibt es den berühmten Marina Beach, der zweitlängste Strand der Welt, natürlich mit einem kleinen Fischerdorf, sprich Slumhütten, neben dem Vergnügungsstrand. Auch diesen Bewohnern wurden Sozialwohnungen zur Verfügung gestellt, aber die meisten vermieten die Wohnungen weiter und bleiben in ihren Hütten. Man darf sich die Hütten auch nicht zu einfach vorstellen. Sicherlich gibt es einige, vor allem auf den Dörfern, die noch über offenem Feuer kochen, aber hier haben einige oftmals Strom, den sie sich einfach von Überlandleitungen abgezapft haben. Oftmals gibt es eine kleine Klärgrube oder wenn es ein gut organisierter Slum ist, dann sogar ein (zwar offenes, aber immerhin) Kanalsystem. Die derzeit regierende Partei in Tamil Nadu verteilt auch Fernseher an die Einwohner. Ein Gerät pro Haushalt. Mit dem abgezapften Strom ist es dann den Slumbewohnern sogar möglich den parteieigenen Fernsehsender der edlen Spender zu empfangen. Was sagt man dazu... Früher gab es für den Stimmenfang kiloweise Reis, heutzutage sind es Fernseher. Was kommt dann als nächstes?

Aber zurück zum kleinen Azharuddin. Er und seine Familie müssen nun keineswegs unter der Brücke schlafen. Danny Boyle und der Produzent Christian Colson haben arrangiert, dass der Trust Fond des Tata Institutes of Social Science eine Wohnung für die Familie gekauft. Und nicht nur für Azhar ist gesorgt, auch Rubina Ali, die Latika spielt, bekommt ein neues Heim. Ende gut, alles gut!

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