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Saturday, June 13, 2009

Von Milch und Kaffee und Krähen und Ameisen

Es ist nun schon der dritte Tag hintereinander, an dem die Ameisen die Milch essen. Wir bekommen täglich Milch geliefert zusammen mit der Zeitung. Es ist ein halber Liter frische Milch eingeschweißt in einer Plastetüte für den unglaublichen Preis von 9 Rupien, umgerechnet 13,5 Cent. Normalerweise würde ich den Betrag aufrunden, aber um das Ganze zu illustrieren, bleibe ich bei den Halbcentbeträgen. Ohne Lieferung kostet die Milch 8 Rupien, also 12 Cent. Aber zurück zu den Milchtüten. Sowas gab es im Osten auch, erinnern sich einige? Allerdings war da ein ganzer Liter in der Tüte. Ich weiß nicht, ob es diese immer noch gibt. Mein Opa hat die Milch immer getrunken, mindestens einen Liter pro Tag.

Anfangs legte der Milchmann die Tüte einfach vor die Tür. Das klappte auch einige Male ganz gut, bis die Krähen den kostbaren Schatz entdeckten, die Tüte aufpickten und die Milch aufschnabelten. Krähen sind sehr intelligente Vögel, sie merken sich, wo es was zu holen gibt, also waren sie auch die folgenden Tage da. Daraufhin blieb die Milch erstmal mit der Zeitung beim Watchman. Nun haben wir vom Tischler eine kleine Milchbox bauen lassen, also wird die Milch nun in die Box getan. Das hat auch ein paar Monate ganz gut funktioniert.

Jetzt haben Ameisen die Milch entdeckt, eine indischen Ameisengroßfamilie stürzt sich seit drei Tagen auf die Milch. Vielleicht habeen die Krähen den Ameisen einen Tipp gegeben. Was passiert, wenn sich das herum spricht? Haben wir demnächst andere Gäste zum Milchfrühstück? Es ist jedenfalls ziemlich eklig, weil es so viele Ameisen sind. Ganz viele kleine Ameisen. Ich war unglaublich froh, dass ich das nicht sauber machen musste, sondern dass es Angestellte gibt, die das für einen machen. Ich bin sonst immer ein bisschen eigen und will bestimmte Sachen weiterhin allein machen. Zum Beispiel bestehe ich darauf, meine Wäsche selbst zu waschen und werde immer furchtbar wütend, wenn ich sehe, dass es jemand anders macht. Genauso wenig mag ich, wenn jemand in meinen Schränken sauber macht oder auf meinem Schreibtisch herumwuselt. Doch diesmal wusste ich die Hilfe mehr als zu schätzen.

Ich brauche nun einen Pestizid-Plan für die Ameisenkolonie, die sich in der Milchbox eingenistet hat Die Ameisen sind mindestens genauso clever wie die Krähen. Sie wissen nun, dass es dort etwas zu holen gibt, also kommen sie jeden Tag wieder und beißen sich ihren Weg durch die Plastiktüte bis zur Milch vor. Das muss aufhören. Schon drei Tage hintereinander keinen Milchkaffee. Übrigens habe ich endlich den Wurstkaffee aufgebraucht. Das hat lange genug gedauert. Diese 500g Kaffee haben unglaublich lange gereicht. Glücklicherweise wurde der Wurstgeschmack mit der Zeit weniger und weniger schmeckbar.

Der neue Kaffee vom Röster heißt "pure". Diesmal hab ich allerdings nur 200g gekauft, falls er wieder wurstig sein sollte. Man kann nicht vorsichtig genug sein. Doch der neue Kaffee schmeckt großartig. Vorsicht war hier fehl am Platz. Um genau zu sein, ist es der beste Kaffee, den ich bisher hier in Indien gekauft habe. Ich werde mich an die Sorte halten. Um wieder Milchkaffee genießen zu können, muss ich allerdings erst eine Lösung für das Ameisenproblem finden.

Tuesday, February 24, 2009

Hoch lebe der Wurstkaffee

Menschen mögen Wurstkaffee! Zumindest mögen sie die kleine Anekdote über den Wurstkaffee. Konni wurde inspiriert durch meine Geschichte und fand folgendes: Wiener im Wasserkocher kochen. Ich war im Office als ich das sah und musste das natürlich sofort Merle zeigen, schließlich ist sie in Sachen Wurstkaffee meine Verbündete. Als ich ihr Konnis Fund zeigte, überraschte sie mich mit einer Wurstkaffee-Story, die dem Ganzen eine frische Perspektive gibt. Ach, was rede ich, das Wort Wurstkaffee erhält eine völlig neue Dimension.

Früher als Deutschland noch geteilt und Pluto noch ein Planet war, kam Klein-Merle von der Schule und wollte sich ganz allein etwas zu Essen machen. Da sie noch nicht an den Herd durfte, kam Klein-Merle auf eine großartige Idee, um sich Würstchen warm zu machen. Sie tat die Würstchen in die Kaffeekanne und ließ heißes Wasser durchlaufen. Ist das nicht eine großartige Geschichte?!? Wurstkaffee, ich sage nur Wurstkaffee, obwohl kein Kaffee in der Maschine war. Trotzdem: Wurstkaffee! Hoch lebe der Wurstkaffee! Ich kann das Wort gar nicht oft genug sagen. Doch für heut verabschiede ich mich erst einmal. Gute Nacht, meine Lieben!

Monday, February 9, 2009

Ich habe Appetit...

...auf Würstchen. Jetzt hab ich in den letzten Tagen so oft an Wurstkaffee und Koljas Wurstwasser denken müssen, dass ich nun ganz verrückt nach Würstchen bin. Am liebsten hätte ich es, wenn die Würstchen in einer leckeren Kartoffelsuppe schwimmen würden. Vielleicht koche ich demnächst Kartoffelsuppe. Hmm, Hunger...

Gestern machte ich eine grandiose Entdeckung. Inder rollen nicht mit den Augen. Deepak und ich schauten einen Film, also eigentlich schaute er einen Film und ich las ein Buch. In diesem Film ("Gnarnia" - nicht zu empfehlen!) rollt Jesus mit den Augen, weil er furchtbar genervt von der Begriffsstutzigkeit der Protagonistin ist und Deepak meinte ganz aufgeregt, dass Jesus das Gleiche mache wie ich. Und plötzlich ging mir ein Licht auf: Inder rollen nicht mit den Augen!! Ist das nicht spannend?

Einige der indischen Gesten unterscheiden sich von unseren, z.B. wenn man jemanden heranwinkt, so tut man das hier meist mit der Handfläche nach unten. Wenn man schwört, also wirklich hoch und heilig auf das Leben der Mutter schwört, so fasst man sich mit der rechten Hand an die Stelle unter dem Kehlkopf und zieht die Haut ein klein wenig nach vorn. Wenn ihr diese Geste seht, dann könnt ihr euch in der Regel sicher sein, dass es euer Gegenüber verdammt ernst meint. Um zu unterstreichen, dass es einem Leid tut, fasst sich der Inder mit beiden Händen an den Ohrläppchen.

Die wohl bekannteste Geste ist das Kopfschütteln-nicken-wackeln, wie auch immer man das nennen mag. Wer das daheim mal ausprobieren möchte, der fasst sich mit dem Zeigefinger an die Nase, um diese zu fixieren und wackelt mit dem Rest vom Kopf um den Zeigefinger herum. Ich stelle mir gerade vor, wie ihr vor dem Bildschirm sitzt und das ausprobiert. :-)

Dieses Wackeln ist echt verwirrend. Es gibt da auch verschiedene Arten und Ausprägungen. Am verwirrendsten finde ich, wenn man etwas erzählt und das Gegenüber die ganze Zeit ganz leicht und gleichmäßig den Kopf schüttelt. Das ist mir übrigens erst gestern wieder passiert. Nach nun mittlerweile 10 Monaten Indien hat mein Gehirn diesbezüglich immer noch nicht umgeschaltet und ich war wieder kurzzeitig verwirrt.

Mittlerweile wackele ich ebenfalls oft und viel mit meinem Kopf hin und her und es klappt ganz gut. Man versteht mich. Ich schwöre (und fasse mir in genau diesem Moment an meinen Hals), dass man mich quasi nicht mehr von einer Einheimischen unterscheiden kann. Bis auf das Äußere! Mein Kopfwackeln ist jedoch durch und durch indisch!


Wednesday, February 4, 2009

Weiterhin wurstig

Heut erzählte ich Joel und Merle von meinem Wurstkaffee und kurz darauf hatten die beiden Gelegenheit, das zu überprüfen. Thomas und Melanie, zwei Deutsche, die erst seit etwa einer Woche in Chennai sind und nur zwei Häuser weiter wohnen, kamen mit einem leckeren Schokoladenkuchen vorbei. Es war gerade halb vier, also gab es traditionell Kaffee und Kuchen. Ich fand die Idee unter anderem ganz toll, weil ich so bei einem unabhängigen Publikum testen konnte, ob mein Kaffee nach Wurst schmeckt oder nicht. Merle war eingeweiht und sie schlug vor, dass sie mit dem linken Auge zwinkert, wenn sich meine These bestätigt. Ich versicherte mich jedoch, dass sie sich noch daran erinnert, schließlich ist Merle schon seit Jahren Vegetarierin, aber sie meinte, dass man Wurstgeschmack nicht verlernt. Das sei wie Fahrrad fahren. Inmitten unseres Kaffees und Kuchens also nahmen wir Blickkontakt auf und sie zwinkerte eindeutig und unmissverständlich mit dem linken Auge. Auch ich nahm den Wurstgeschmack war, finde jedoch, dass er seit gestern ein wenig nachgelassen hat. Aber vielleicht ist das auch schon Gewöhnung?

Keiner der anderen Anwesenden kritisierte den Wurstkaffee, allerdings hat das keinerlei Bedeutung. Schließlich kann es auch sein, dass unsere Gäste einfach nur nett sein wollten. Deepak stellte keinen Wurstgeschmack fest, allerdings kann er als Inder auch nur bedingt Wursterfahrung aufweisen. Merle bestätigte anschließend noch mal verbal meinen Eindruck und fand, dass sie das an Kolja erinnerte, der für die Schulausflüge von Mutti immer Würstchen im Glas mitbekommen hatte. Kolja aß mit großem Genuss die Würstchen und trank dann das Wurstwasser. Jawoll ja, Kolja! Merle erinnerte der Kaffee an Koljas Wurstwasser.

Hmmm... Was mache ich denn nun mit dem Wurstkaffee?

Tuesday, February 3, 2009

Ich bin wieder dahaaaaaaaaaaaaaaaa

Und diesmal hier mit einem neuen Blog. Die Gründe für den Umzug waren zahlreich, aber ich möchte nicht weiter darauf eingehen, wichtig ist nur, dass jetzt alles viel besser ist. Zumindest hier.. online...
In Indien, tja, Indien. Also Indien. Indien ist einfach im Moment verdammt schwierig. Aber ich geb nicht auf, das wäre ja noch schöner. Im Prinzip ist es auch nicht so schlimm. Ich jammere auf ziemlich hohem Niveau. Es könnte mir weitaus schlechter gehen. Nur fehlt mir meine Freiheit und meine Unabhängigkeit. Ich kann hier oft nicht so wie ich will. Aber dazu vielleicht ein andern Mal. Aber ich muss jetzt hier an dieser Stelle darüber jammern, dass mir meine Freunde fehlen. Sie fehlen mir sehr.

Ich habe gerade ein Buch gelesen von Sophie Kinsella, was mir Carolin aus Deutschland mitgebracht hat. Wenn es ein Film wäre, würde es Chick Flick heißen. Wenn es ein Frauenbuch ist, wie heißt es dann? Mir fällt kein passendes Wort ein. Ich nenne also einen Chick Flick im Paperback-Format. Die Protagonistin Lexie Smart (was für ein Chick Flick Name) denkt an die alten Zeiten mit ihrer Freundin, die sie so oft zu Spaghetti Carbonara und Wein eingeladen hat und ich dachte an Antje, die mich in München fast jeden Sonntag zu Spaghetti Bolognese und "Nur die Liebe zählt" eingeladen hat. (Ganz nebenbei ein großartiges Buch, wenn man es sich an einem Sonntag mal gemütlich machen will. Ist sehr witzig und liest sich schnell.)

Und als ich in Qatar auf dem Flughafen war auf dem Weg nach Deutschland und 9 Stunden Aufenthalt hatte, schnüffelte ich mich durch die Duty Free Abteilung und entdeckte das Lacoste Parfum, was Mandy immer benutzte. Dieser Duft... Es war als ob ich morgens in der Slub die Tür zum Carrel aufmachte. Natürlich war Mandy immer vor mir da. Zumindest in 90 Prozent der Fälle.

Das ist auch noch hier in Indien so. Ich bin immer die Letzte im Office. Das war bei meinem M2 Media Job so und auch jetzt, wenn ich an den kleinen Projekten arbeite, die mir zufliegen, komme ich auch regelmäßig als Letzte ins Büro. Dafür bleibe ich aber auch länger. Meistens zumindest. Das muss ich dazu sagen, nicht, dass ihr schlecht über mich denkt. ;-)

Nun aber wieder zurück zu Indien. Heut hab ich Kaffee gekauft. Wow, was für ein Erlebnis werdet ihr jetzt denken. Für mich war es jedoch ein Erlebnis. Ich habe mir im Sommer von Joel aus Deutschland einen Espresso Maker für den Herd mitbringen lassen, so einen kleinen italienischen... In silber, ihr wisst schon. Dazu gab es guten Tchibo Kaffee. Danach kaufte ich einmal organischen Kaffee, der nicht schlecht war und einmal bereits gemahlenen Kaffee bei Café Coffee Day. Nun habe ich allerdings schon seit ein paar Tagen kein Kaffeepulver mehr, nur Nescafé Sunrise Instant Zeugs, das zu 70 Prozent aus Kaffee und zu 30 Prozent aus Chicoree besteht. Ich musste das erstmal googlen und habe herausgefunden, dass Chicoreewurzel auch in der ehemaligen DDR ein beliebter Kaffee-Ersatz war. Jedenfalls hab ich nichts gegen löslichen Kaffee, aber der mit "Chicory" schmeckt nicht. Also beschloss ich heut Kaffee zu kaufen und zwar nicht bei Café Coffee Day und auch nicht im Organic Shop, weil das zu weit weg, sondern bei uns in der Straße. Da gibt es einen Coffee Day Fresh & Ground, wo man Kaffeebohnen kaufen und mahlen lassen kann.

Der Laden ist urig. Ist auch gar kein richtiger Laden, das heißt es gibt keine Ladentür, sondern einfach Rollos, die dann abends runtergemacht werden. Hinter der kleinen Ladentheke steht säckeweise Kaffee, wie in der Werbung. Ich wurde gefragt, welchen Kaffee ich haben möchte auf Tamil. Hmm, weiß nicht, sagte ich auf Englisch, was gibt's denn. Er zeigte auf ein kleines Schild, das hatte ich auch schon gesehen, aber da stand alles in Tamil drauf. Das einzige, was ich lesen kann, wenn ich mir Mühe gebe, ist das Wort "Coffee" in den Lettern der Einheimischensprache. Also sagte ich, dass das ja Tamil sei und freute mich noch kurz, dass der Gutste doch tatsächlich angenommen hatte, ich wurde die Sprache beherrschen. Der jedoch guckte nur kurz auf das Schild und drehte es dann um. Achso, da steht's ja. Auf Englisch. Na klar. Eigentlich hat er es mir an der Nasenspitze angesehen, dass ich des Tamil nicht mächtig bin und hatte nur vergessen, das Schild umzudrehen. Ich suchte mir eine Sorte aus und verlangte 500g. Daraufhin füllte er mit einer kleinen Schaufel frische, dunkle Kaffeebohnen aus dem riesigen Leinensack in die silberne Wagschale. Wie in der Werbung. Ich hörte die Worte "Hochlandkaffee" in meinem Kopf erklingen und hatte eine Hand vor Augen, die in einen Sack voller duftendem Kaffee greift. Und jetzt die Augen schließen und tief einatmen!

Die Waage stoppte bei genau 502g Kaffee, der dann ab in die Mühle ging. Nun gut, die war nicht ganz so elegant wie die aus der Werbung. Vor allem machte sie einen Heidenlärm. Der Kaffee wurde danach nochmal gewogen und seltsamerweise waren jetzt 10g mehr in der Waagschale. Vielleicht waren da ein paar Reste aus der Mühle dabei, keine Ahnung. Das Ganze wurde dann in eine Plastiktüte gefüllt. Als er mir die Tüte reichte, merkte ich, dass der Kaffee noch ganz warm war. Ich hatte ein Gefühl als ob ich beim Bäcker eine Tüte mit warmen Brötchen in Empfang nehme. Der Kaffee kostete mich 118 Rupien, wovon eine halbe Rupie für das Mahlen war. Das wird nämlich pro Kilogramm berechnet und kostet eine Rupie pro Kilo. Letztlich wurde aufgerundet, aber auf der Rechnung stehen 50 Paise. Das ist als ob man in Deutschland einen halben Pfennig aufschreiben würde.

Auf dem Heimweg kaufte ich noch frische Milch und freute mich auf meinen Milchkaffee. Die Küche duftete herrlich nach frischem Kaffee, allerdings schmeckte der Kaffee wurstig. Das Wort benutzte Mandy einmal für einen McDonalds Kaffee und wenn der Kaffee bei McDonalds wurstig schmeckt, kann man das vielleicht noch nachvollziehen. Aber hier... Ich hab doch selbst gesehen, wo die Bohnen standen, ich war beim Mahlen dabei. Da war keine Wurst weit und breit zu sehen. Auch die Milch kann es nicht sein. Die koste ich immer vorher, einfach weil frische Milch so gut schmeckt. Ist es vielleicht der Rauchgeschmack, der mich stört? Der beim Rösten entsteht? Wenn ich so recht darüber nachdenke, hatte es einen Schwarzwälder-Schinken-Rauch-Geschmack. Und nun? Was mache ich jetzt mit 500g Kaffee, der wurstig schmeckt? Vielleicht verfliegt der Rauch ja auch noch. Ich halte euch auf dem Laufenden.